foyer
        Die Wirklichkeit im träumenden Traum geträumt
    An alle Besucher,    
   

ich habe eine traurige Nachricht, die ich selbst noch nicht glauben kann, die leider jedoch wahr ist. Edgar ist am Abend des 1.Juni 2006 gestorben. Er erlitt einen Herzinfarkt und der Notdienst konnte nicht mehr helfen.
Ich war bis vor Kurzem mit Edgar verheiratet und fühle mich ihm nach wie vor sehr, sehr nahe. Ich trauere zutiefst um ihn.

In Gedanken bei Edgar,

Susanne Bärtels

Komm halt mich,
komm lass es sein wie es ist
 
Hier verweilen wir alle nur
für bestimmte Zeit
 
Doch wir mit uns,
in allem, für uns,
ist die Zeit nicht begrenzt
 
Du wirst gestärkt heraus kommen,
Du wirst sehen, verstehen
und Glücklich sein!
 
Das Feld der Einsamkeit wird
ausschließlich meine Bestimmung sein
 
       
Lositheed 26.10.01
    thebluesiswideopen@arcor.de   

 

"Was für ein Mensch war Edgar?“ ...

 

....werde ich manchmal gefragt.  Aus meiner Sicht möchte ich ein Bild von ihm zeichnen, das ihn im Wesentlichen charakterisiert:

 

Edgar war eine starke , außergewöhnliche und interessante Persönlichkeit - ein Unikat! Sein Sternzeichen Löwe kam in vielerlei Hinsicht zur Geltung. Mit beeindruckender, rhetorischer  Fähigkeit teilte er seine Gedanken und Meinungen sehr gerne mit, denn die Kommunikation gehörte für ihn zu den wichtigsten Elementen des Ausdrucks seiner Selbst. Seine Standpunkte vertrat er stets selbstsicher, geradlinig , offen und unverblümt. Niemals redete er anderen nach dem Mund und er schätze auch immer Personen, die - so wie er-  ehrlich ihre Meinung vertreten konnten und sich nicht beirren ließen, z.B. durch Aussagen anderer . Mit Menschen, die, wie er sich ausdrückte, eine ausgeprägte  "Osterhäschen-Demutsstellung"  einnahmen oder sich gar drehten wie ein Fähnchen im Wind, konnte er nicht viel anfangen.

In seiner unverwechselbaren Art sorgte er in seinem Umfeld so manches mal für Zündstoff.  Teilweise gab er dabei bewusst Denkanstöße oder forderte Reaktionen heraus, über die er gelegentlich innerlich schmunzelte. Wenn Edgar sich zu sehr ereiferte und über das Ziel hinausschoss, machte er sich nicht bei Jedem beliebt, doch das war auch nie das, wonach er trachtete. Er wollte gehört werden und Aufmerksamkeit bekommen, verachtete jedoch Heuchelei.

 

Dass in dem stolzen Löwen mit dem klugen Kopf im Herzen zugleich ein sehr sensibles, gefühlvolles und verletzliches Kätzchen steckte, erkannten wohl alle, die ihn mochten und liebten und denen er sein Innerstes zu zeigen bereit war. Dieses innere Verständnis für seine Seele teilten vor allem ich, Susanne, sowie seine besten Freunde, die ihm ebenfalls besonders am Herzen lagen. Seine Zuneigung und innige Freundschaft drückte er aus, indem er den Kontakt und das Zusammensein herzlich und intensiv aufrecht erhielt, auch in Form von vielen ausführlichen Briefen bzw. Emails und seinen Fotos. Edgar war ein zuverlässiger, hilfsbereiter Freund und Partner, der bei Bedarf  für den anderen durchs Feuer gegangen wäre, um sich für ihn einzusetzen. Gerne stand er mit Rat und Tat zur Seite. 

 

Mit seinem trockenen Humor oder seinen verrückten, unkonventionellen Ideen konnte er andere zum Lachen bringen.  Es war einfach liebenswert, wenn er sich z.B. für einen Tag im Jahr, mitten im Sommer,  als Clown verkleidete,  die Menschen auf der Straße ansprach und sich an deren Reaktionen erfreute. Seine Zerstreutheit, Dinge wie seine Schlüssel usw. sehr oft zu verlieren oder zu verlegen war ebenfalls ein Eigenart, die zum schmunzeln brachte.

 

Edgar war ein sehr romantischer Mensch. Er verfasste gefühlvolle Gedichte, spielte gerne mit Worten, formulierte Songtexte, schrieb mutmachende Postkarten an sich selbst und glaubte auch an Dinge, die man nicht sehen konnte, wie z.B. an seinen Kraftort in Montreux oder das Weiterleben der Seele nach dem Tod. "Nichts ist, wie es scheint", sagte er manchmal. 

 

Es gab Dinge, über die er sich freuen konnte wie ein Kind. Er liebte Züge und Bahnhöfe schon von Kindesbeinen an und es war schön zu sehen, wenn er auch als erwachsener Mann leuchtende Augen bekam.

 

Der Natur fühlte sich Edgar sehr verbunden. Seine intensiven, sportlichen Aktivitäten, denen er mit Disziplin auch bei Wind und Wetter nachging, genoss er deshalb in erster Linie im Freien. Er achtete nicht nur auf sein eigenes, umweltbewusstes Verhalten, sondern machte auch häufiger andere Menschen darauf aufmerksam, z.B. den Motor eines Fahrzeugs auszuschalten, wenn es seiner Meinung nach angebracht war.

 

Dass nicht alle Menschen der Welt sein Selbstverständnis teilten, was vor allem die Gerechtigkeit und den Frieden auf der Welt betraf, erregte ihn oft. Hier lud er sich sehr viel Verantwortung auf, denn er hatte oft das Gefühl, nicht nur für die eigene Gerechtigkeit, sondern auch für die anderer Menschen kämpfen zu müssen, um eine Verbesserung zu erreichen. Für lange Zeit engagierte er sich mit sehr viel Zivilcourage in der Gewerkschaft und im Betriebsrat. Auch um seinen eigenen Arbeitsplatz musste er über Jahre kämpfen und zeigte dabei eine bewundernswerte Ausdauer und Biss. Da es ihn gleichzeitig auch belastete, hat er sich oft mehr Gelassenheit gewünscht, doch der Charakter des Löwen in ihm beeinflusste ihn stark. Vielleicht mochte er die Kühe auf der Weide deshalb so gerne, weil sie eine so starke Ausgeglichenheit und Ruhe ausstrahlen?

 

Genauso fand er jedoch auch sanfte Formen, sich für andere einzusetzen, wenn er z.B. Benefiz-Veranstaltungen aktiv unterstützte. Er war stolz auf seine künstlerischen Fähigkeiten und spendete mit Freude und viel Engagement eines seiner Gemälde zu Gunsten eines krebskranken Kindes. Die abstrakte Malerei bedeutete ihm nicht nur viel, sie war für Edgar auch eine sehr wichtige Form des kreativen Ausdrucks und der Entspannung, sowie des Loslassens von allen Belastungen, die ihn beschäftigten. Durch seine Kontakte, den intensiven Austausch mit anderen Künstlern und das Mitwirken bei kooperativen Projekten fühlte er sich bereichert, denn er setzte sich nicht nur produktiv, sondern auch geistig gerne mit dem Thema auseinander, übte Kritik, ließ sich inspirieren und inspirierte andere.

 

In seinem Satz "The soul is the mother of painters" spiegelte sich seine Liebe und Begeisterung zur Musik wieder. Er hörte sie selten einfach nur "nebenbei", sondern widmete sich am liebsten mit seinem ganzen Körper völlig dem Genuss des Zuhörens. Die Sesselkante hat es ihm nie übel genommen, wenn er während dessen seinen Schellenkranz auf sie trommelte. Es gab Zeiten, in denen er mit seiner ausdrucksvollen Stimme oder seiner Bluesharp allein oder in einer Band mitspielte. Er war immer mit vollem Herzblut dabei und teilte diese Begeisterung auch gerne mit seinen Freunden.

 

Edgar wertete Menschen nicht nach gesellschaftlichem Stand, Nationalität, Hautfarbe, Kleidung oder Ähnlichem.  Dass der Charakter und die Wellenlänge zu ihm passten, war für ihn das Wichtigste.

 

Warum Edgar es - besonders gegenüber nahestehenden Menschen -  mit der Wahrheit nicht immer so genau nahm, lag vielleicht an seinem Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung.  Einerseits brauchte und suchte er Liebe und ein Zuhause, andererseits fühlt er sich wohl zu schnell in einen Käfig gesteckt. Er war ein Mann mit  Ecken und Kanten und mit dem es nicht immer einfach war, aber das Besondere und Außergewöhnliche an ihm, seine Ausstrahlung machten es wieder wett. Wer ihn so nehmen konnte wie er war, konnte nicht anders als ihn gern zu haben!

 

Edgar war überzeugter Vegetarier, achtete und liebte das Leben, hat unvergessliche und liebenswerte  Fußstapfen auf seinem Weg hinterlassen, war bemüht seine Gesundheit zu erhalten und wäre gerne 120 Jahre alt geworden. Das Schicksal hatte jedoch etwas Anderes mit ihm vor, das wir nicht ergründen können, weil uns der Blick hinter diese Tür noch verborgen ist. Vielleicht ist er gerade dabei, sich mit den Fingern seiner linken Hand seine Schuhe rot anzumalen, uns zuzuzwinkern und uns zu sagen: "Hey, macht euch keine Sorgen, ihr wisst doch, dass ich nicht nur ein Indianer sondern auch ein Außerirdischer bin. Love and peace, keep up the good work, Blues und Gruß, Euer Lositheed".

                        

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P.S.

Zu Beginn schrieb ich, dass ich mit meinen Worten ein Bild von Edgar zeichnen möchte. Inzwischen ist mir eingefallen: Vor vielen Jahren hatte ich eine kurze Phase, in der ich mit Pastellölkreide oder Bleistift ein paar Zeichnungen anfertigte. Eines der Motive war damals eine Portrait-Zeichnung von Edgar. Ich hatte sie nie fertig gestellt,  denn ich wollte sie „irgendwann später“ noch verbessern. Doch nun lasse ich das Bild so wie es ist, denn die Endlichkeit von ZEIT wurde mir mit Edgars Tod wieder sehr schmerzlich bewusst.